Wie Vapen den Innenraum belastet

Wissenschaftliche Fakten – deren hygienische Bedeutung

· IBH · Raumluftqualität, Hygiene, Forschung / Studien

Im April haben wir an dieser Stelle eine aktuelle Studie von Woo et al. vorgestellt, die erstmals den chemischen Mechanismus des Passivdampfens konkretisiert: Verweilender Vaping-Aerosol enthält ultrafeine Partikel mit Metall-Nanopartikeln und reaktiven Peroxiden, die in Kombination freie Radikale bilden und Lungengewebe schädigen können – gealterter Aerosol ist dabei toxischer als frischer («Passivdampf ist nicht harmlos»). Dieser Befund war Anlass, die Frage breiter zu stellen: Wie belastet Vapen den Innenraum insgesamt – also nicht nur die Atemluft, sondern auch Oberflächen, Textilien und Hausstaub? Für diesen Beitrag haben wir deshalb weitere Studien ausgewertet, um das Bild zu vervollständigen.

E-Zigaretten erzeugen keinen Rauch, sondern verdampfen ein Liquid. Dieser Unterschied zum Tabakrauch ist real, rechtfertigt aber keine Entwarnung für die Raumluft. Beim Vapen entsteht ein Aerosol aus ultrafeinen Tröpfchen und Partikeln, das eine Reihe innenraumrelevanter Schadstoffe enthält. Diese verteilen sich in der Luft, lagern sich auf Oberflächen ab und reichern sich im Hausstaub an, wo sie über Tage bis Wochen nachweisbar bleiben und unter Umständen bis in benachbarte Räume gelangen.

Der Beitrag fasst den aktuellen Forschungsstand zur Innenraumbelastung durch Vaping zusammen und ordnet ihn hygienisch ein. Zur Begriffsklärung: «Vape», «E-Zigarette» und «E-Shisha» funktionieren nach demselben Grundprinzip – ein Liquid wird elektrisch erhitzt, ohne dass etwas verbrennt – und werden hier unter «E-Zigaretten» zusammengefasst, sofern nicht anders bezeichnet.

Was beim Vapen in die Luft gelangt

Das Liquid besteht im Kern aus den Trägerstoffen Propylenglykol und Glycerin, aus Aromen und – je nach Produkt – aus Nikotin. Propylenglykol und Glycerin gelten bei oraler Aufnahme als unbedenklich; ihre wiederholte Inhalation als fein vernebeltes Aerosol ist toxikologisch weit weniger gut abgesichert. Beim Erhitzen bleiben diese Trägerstoffe nicht unverändert, sondern bilden Aldehyde, allen voran Formaldehyd, Acetaldehyd und Acrolein. Formaldehyd ist von der IARC als humankanzerogen (Gruppe 1) eingestuft, Acrolein wirkt stark atemwegsreizend. Wie viel davon entsteht, hängt massgeblich von Gerät, Heiztemperatur und Liquid ab; unter ungünstigen Betriebsbedingungen erreichen einzelne Substanzen Konzentrationen im Bereich des Tabakrauchs (DKFZ 2023).

In nikotinhaltigen Liquids ist Nikotin die pharmakologisch wirksame Leitsubstanz. Es gelangt über das Aerosol in die Raumluft und lagert sich auf Oberflächen ab, wo es als Ausgangsstoff für tabakspezifische Nitrosamine (TSNA) dienen kann. TSNAs sind potente Karzinogene. Sie sind in nikotinhaltigen Produkten bereits im Liquid enthalten und bilden sich zusätzlich sekundär, wenn abgelagertes Nikotin mit Stickstoffverbindungen der Innenraumluft reagiert – ein Mechanismus, der vom Thirdhand-Tabakrauch bekannt ist und für E-Zigaretten-Rückstände nachgewiesen wurde (Marcham et al. 2019; Khachatoorian et al. 2019b).

Dazu kommen Stoffe, die nicht aus dem Liquid selbst stammen. Aus Heizelementen und Wicklungen lösen sich Metalle wie Nickel, Chrom, Blei und Cadmium; für Nickel wurden teils höhere Werte als in Tabakrauch gemessen (DKFZ 2023). Neuere Analysen weisen zudem auf PFAS im Aerosol hin, die aus Gerätebeschichtungen und Herstellungsprozessen stammen können (Genchi et al. 2025). Das Aerosol besteht zudem zu einem grossen Teil aus Feinstaub (PM2,5) und ultrafeinen Partikeln unter 100 nm, die wegen ihrer geringen Grösse bis in die Lungenbläschen vordringen und systemisch wirken können (Li et al. 2020). Wie die im April an dieser Stelle vorgestellte Arbeit von Woo et al. (2026) zeigt, können diese Metallpartikel zusammen mit Oxidationsprodukten der Aromastoffe in verweilendem Aerosol freie Radikale erzeugen – ein Mechanismus, der gealtertes Aerosol toxischer macht als frisches (Details: «Passivdampf ist nicht harmlos»). Die Aromen selbst verdienen ebenfalls Aufmerksamkeit: Einzelne Vertreter wie Diacetyl oder Zimtaldehyd gelten als inhalationstoxisch, und das eingesetzte Spektrum ist bisher nur teilweise toxikologisch charakterisiert.

Secondhand-Exposition: was in der Luft bleibt

Die Belastung der Raumluft beim Vapen ist messtechnisch gut belegt. Schober et al. (2014) dokumentierten in einer Kammerstudie einen deutlichen Anstieg von Feinstaub, Partikelanzahl und Nikotin in der Innenraumluft; zugleich stiegen bei den Konsumierenden die FeNO-Werte als Marker einer atemweglichen Entzündung. Das Review von Li et al. (2020) wertete Dutzende Expositionsstudien aus und bestätigt, dass PM2,5 und ultrafeine Partikel beim Vapen in Innenräumen konsistent ansteigen. Die Werte liegen meist unter jenen beim Tabakrauchen, jedoch klar über dem Hintergrund, und sie steigen mit schlechter Lüftung und mehreren gleichzeitigen Nutzern.

Für Nichtkonsumierende ist das nicht folgenlos. Das DKFZ (2023) fasst die berichteten akuten Beschwerden zusammen: Kopfschmerzen, Müdigkeit, Augenreizungen, Hals- und Rachenreizungen sowie Husten. Einschränkend gilt, dass die meisten Studien unter kontrollierten oder halbkontrollierten Bedingungen entstanden. Die Übertragung auf reale Wohn- und Arbeitssituationen hängt deshalb stark von Raumvolumen, Lüftung und Nutzungsintensität ab.

Thirdhand-Exposition: Ablagerungen auf Oberflächen und im Staub

Was ausgeatmet wird, verschwindet nicht. Die Aerosolbestandteile setzen sich auf Oberflächen ab und bilden dort den sogenannten EC Exhaled Aerosol Residue (ECEAR). Goniewicz & Lee (2015) zeigten als eine der ersten Gruppen, dass Nikotin aus E-Zigaretten auf Oberflächen haften bleibt und damit eine Thirdhand-Expositionsquelle bildet. Wie lange diese Rückstände bestehen, untersuchten Marcham et al. (2019): Auf Glas war Nikotin nach 72 Stunden noch nachweisbar, auf Frottéestoff als Textilmodell deutlich länger; Modellrechnungen lassen ein Absinken unter Hintergrundniveau erst nach rund vier Tagen auf Glas und sechzehn Tagen auf Textil erwarten, sofern nicht gereinigt wird.

Wie stark sich ECEAR anreichert, zeigen die Feldstudien von Khachatoorian et al. (2019b) im Wohnzimmer einer vapenden Person und in einem Vape Shop. Bereits nach sechs Stunden waren Rückstände messbar; im Vape Shop lag die Nikotinkonzentration nach einem Monat sechzigmal höher als im Wohnzimmer, wobei Textilien mehr aufnahmen als glatte Flächen. Hygienisch besonders aufschlussreich ist die zweite Arbeit derselben Gruppe (Khachatoorian et al. 2019a): In einem Einkaufszentrum gelangten Nikotin, weitere Alkaloide und TSNAs aus einem Vape Shop über die gemeinsame Lüftungsanlage in ein angrenzendes Ladenlokal und reicherten sich dort über Wochen an. ECEAR-Belastung bleibt also nicht zwingend auf den Nutzungsraum beschränkt.

Neben festen Oberflächen verdient der Hausstaub besondere Beachtung, ein Pfad, den der bisherige Forschungsfokus auf Wisch- und Materialproben leicht übersieht. Nikotin, Aromen und TSNAs sedimentieren auch in den Liege- und Bodenstaub auf Böden, Teppichen und textilen Belägen und reichern sich dort über die Zeit an. Wird dieser Staub aufgewirbelt – beim Gehen, Putzen, Spielen oder durch Luftbewegung –, wird die Belastung erneut inhalierbar und gelangt über Hand-zu-Mund-Kontakt auch in den Körper. Für Thirdhand-Tabakrauch ist dieser Reservoir- und Resuspensionsmechanismus gut dokumentiert, mit Kleinkindern als besonders exponierter Gruppe wegen Bodennähe, Krabbeln und Hand-zu-Mund-Verhalten (Goniewicz & Lee 2015). Für E-Zigaretten gelten dieselben physikalisch-chemischen Voraussetzungen; Son et al. (2020) wiesen darauf hin, dass Wohnräume mit ihren grossen Textil-, Teppich- und Papierflächen mehr Nikotin binden als die glasreichen Vape Shops der Messstudien, weshalb die rechnerische Thirdhand-Belastung im Wohnumfeld pro Fläche höher ausfallen kann. Direkte Messungen von ECEAR-Stoffen in separat entnommenen Staubproben sind bislang allerdings rar; die Datenlage stützt sich noch weitgehend auf Analogieschlüsse aus der Tabakrauchforschung.

Hygienische Bedeutung: gesichert und offen

Mears et al. (2026) fassen in einem aktuellen Review der Tier- und Humanstudien zusammen, dass E-Zigaretten-Aerosol organübergreifend eine erhöhte Zytokinausschüttung und oxidativen Stress auslöst, die mit einem höheren Risiko für Organfunktionsstörungen einhergehen; betroffen sind unter anderem Lunge, Herz-Kreislauf-System, Mundhöhle und Gehirn, und zwar bei Nutzenden wie bei mitexponierten Personen. Damit ist die Secondhand-Belastung als real und relevant einzustufen. Dass die Aerosolkonzentrationen häufig unter jenen des Passivrauchens liegen, ist kein Argument für Sorglosigkeit, sondern lediglich eine Frage des Ausmasses.

Weniger klar ist die gesundheitliche Bedeutung der reinen Thirdhand-Exposition. Stracci et al. (2025) werteten in einem systematischen Review die Zell- und Tierstudien zu Rückständen aus nikotinhaltigen wie nikotinfreien Vapes aus und fanden zwar in Mausmodellen vereinzelt Zellveränderungen, für den Menschen jedoch keine überzeugenden Belege für klinisch bedeutsame Schäden durch Ablagerungen allein. Sie fordern weitere Untersuchungen. Dabei ist zu beachten, dass auch nikotinfreie Vapes keine rückstandsfreie Alternative darstellen, da Glycerin, Propylenglykol, Aromen und deren Abbauprodukte unabhängig vom Nikotin anfallen. Hinzu kommt, dass sich Geräte vom Pod-System über Boxmods bis zur Einwegvape in Temperaturprofil, Liquid und Dampfmenge so stark unterscheiden, dass pauschale Mengenangaben mit Vorsicht zu behandeln sind.

Rechtslage in der Schweiz

Seit dem 1. Oktober 2024 dehnt das Tabakproduktegesetz (TabPG) den Passivrauchschutz ausdrücklich auf E-Zigaretten aus. Vapen ist damit in allen öffentlich zugänglichen, geschlossenen Räumen sowie an Arbeitsplätzen, die mehreren Personen dienen, untersagt; das betrifft Gastronomie, Schulen, Büros, den öffentlichen Verkehr und vergleichbare Orte. Private Haushalte und Einzelarbeitsplätze fallen nicht unter das Verbot, und die Kantone dürfen über das Bundesminimum hinausgehen.

Eine Ausnahme betrifft Verkaufsgeschäfte. Vape Shops dürfen seit 2024 Konsumzonen einrichten, die lediglich markiert sein müssen, ohne bauliche Trennung vom übrigen Verkaufsbereich. Aus hygienischer Sicht ist das problematisch, denn die Befunde von Khachatoorian et al. (2019a) zeigen, dass sich Aerosolbestandteile über gemeinsame Lüftungen ausbreiten – eine blosse Markierung stellt keine wirksame Barriere dar.

Schlussfolgerungen für die Praxis

Wer Innenräume beurteilt, in denen gevapet wurde oder wird – Wohnungen, Gemeinschaftsräume, Büros, Gastronomiebetriebe –, sollte eine ECEAR-Kontamination nicht nur auf sichtbaren Oberflächen, sondern auch in Textilien und im Hausstaub erwarten. Der Liege- und Bodenstaub wirkt dabei als Schadstoffreservoir, das bei Nutzung wieder freigesetzt wird; eine Bewertung allein anhand der aktuellen Raumluft greift deshalb zu kurz. In mehrfach vermieteten Liegenschaften mit gemeinsamer Lüftungsanlage ist zudem mit einer Verschleppung in nicht direkt betroffene Mieteinheiten zu rechnen.

Für die Sanierung folgt daraus, dass Lüften allein bei stärkerer Kontamination nicht ausreicht. Nikotin und Aromen haften hartnäckig, Textilien geben sie nur langsam ab, und kontaminierter Staub lässt sich durch blosses trockenes Wischen eher aufwirbeln als entfernen. Sinnvoll sind eine gründliche Flächenreinigung einschliesslich Böden und textiler Beläge sowie eine Staubsanierung mit Feinstaubrückhalt (HEPA) statt einer rein optischen Reinigung. Haushalte mit Kleinkindern verdienen erhöhte Aufmerksamkeit, da diese über Bodenkontakt und Hand-zu-Mund-Verhalten am stärksten gegenüber Staubrückständen exponiert sind.

Schliesslich ist die Studienlage einzuordnen. Für Tabakrauch liegen jahrzehntelange Expositionsdaten vor; für E-Zigaretten fehlen Langzeitdaten, standardisierte Messverfahren und unabhängige Replikationen in ausreichender Zahl, besonders zur Thirdhand-Exposition und zur Staubbelastung beim Menschen. Das spricht nicht für Entwarnung, sondern dafür, Aussagen zur Stärke des Risikos mit dem nötigen Vorbehalt zu formulieren und die Belastung vorsorglich zu begrenzen.

Quelle: Schober W et al. (2014): Use of electronic cigarettes impairs indoor air quality and increases FeNO levels. Int J Hyg Environ Health 217(6):628–637. DOI 10.1016/j.ijheh.2013.11.003 | Goniewicz ML & Lee L (2015): Electronic cigarettes are a source of thirdhand exposure to nicotine. Nicotine Tob Res 17(2):256–258. DOI 10.1093/ntr/ntu152 | Khachatoorian C, Jacob P III, Benowitz NL, Talbot P (2019a): Electronic cigarette chemicals transfer from a vape shop to a nearby business in a multiple-tenant retail building. Tob Control 28(5):519–525. DOI 10.1136/tobaccocontrol-2018-054316 | Khachatoorian C et al. (2019b): Identification and quantification of electronic cigarette exhaled aerosol residue chemicals in field sites. Environ Res 170:351–358. DOI 10.1016/j.envres.2018.12.027 | Marcham CL, Floyd EL, Wood BL, Arnold S, Johnson DL (2019): E-cigarette nicotine deposition and persistence on glass and cotton surfaces. J Occup Environ Hyg 16(5):349–354. DOI 10.1080/15459624.2019.1581366 | Son Y, Giovenco DP, Delnevo C, Khlystov A, Samburova V, Meng Q (2020): Indoor Air Quality and Passive E-cigarette Aerosol Exposures in Vape-Shops. Nicotine Tob Res 22(10):1772–1779. DOI 10.1093/ntr/ntaa094 | Li L, Lin Y, Xia T, Zhu Y (2020): Effects of Electronic Cigarettes on Indoor Air Quality and Health. Annu Rev Public Health 41:363–380. DOI 10.1146/annurev-publhealth-040119-094043 | Deutsches Krebsforschungszentrum DKFZ (2023): Gesundheitliche Belastung Dritter durch Emissionen von E-Zigaretten. Aus der Wissenschaft für die Politik. Heidelberg | Stracci JMA, Ganesan AP, Pitogo PG, Smith SM (2025): The Effects of Thirdhand Vape Residue from Nicotine and Non-Nicotine Vapes on Cells: A Systematic Review. Int J Environ Res Public Health 22(4):465. DOI 10.3390/ijerph22040465 | Mears MJ, Bandaru P, Neczypor EW et al. (2026): Multisystem Toxicity of E-Cigarettes in Preclinical and Clinical Studies. Annu Rev Pharmacol Toxicol 66:325–352. DOI 10.1146/annurev-pharmtox-062124-022856 | Woo W, Tian L, Diamond C, Lum M, Lyons T, Lin Y-H (2026): Interplay of Metals and Organics in E-Cigarette Aerosols Enhances the Production of Reactive Oxygen Species within Ultrafine Particles. Environ Sci Technol 60(1):949–958. DOI 10.1021/acs.est.5c11870 | Genchi G et al. (2025): E-Cigarette and Environment. Environments 12(3):72. DOI 10.3390/environments12030072