WTA-Merkblatt 6-2 neu – hygrothermische Simulation jetzt auf dem Stand der Technik

Dritte Ausgabe des grundlegenden Merkblatts zur Simulation wärme- und feuchtetechnischer Prozesse in Bauteilen

· mdu · Bauphysik, Feuchte & Schimmelpilzschäden, Normen & Richtlinien

Die hygrothermische Simulation – die rechnerische, zeitabhängige Erfassung von Wärme- und Feuchtetransport in Bauteilen – hat sich in den letzten Jahren von einem Spezialwerkzeug der Forschung zu einem Standardinstrument in Planungspraxis und Sachverständigenwesen entwickelt. Ohne sie sind Innendämmnachweise kaum mehr zu führen, und die Beurteilung des Schimmelpilzwachstumsrisikos an kritischen Bauteildetails setzt realistische Simulationsdaten voraus.

Das WTA-Merkblatt 6-2 («Simulation wärme- und feuchtetechnischer Prozesse») ist das grundlegende Regelwerk für diese Berechnungsart. Die dritte, grundlegend überarbeitete Ausgabe erschien im Oktober 2025 (Gelbdruck Dezember 2024).

Hinweis für die Leserinnen und Leser: In unserer Übersicht vom Mai 2025 haben wir dieses Dokument fälschlicherweise als «WTA-MB 6-18» bezeichnet. Die korrekte Bezeichnung lautet WTA-MB 6-2-25/D.

Warum das Merkblatt wichtig ist

Das Glaser-Verfahren – lange Standard für den vereinfachten Tauwassernachweis – ist für viele Fragestellungen zu grob. Es betrachtet nur stationäre Zustände und erfasst weder die Feuchte- und Wärmespeicherung der Baustoffe noch Latentwärmeeffekte, Niederschlagseinflüsse oder den kapillaren Flüssigtransport. Moderne Simulationsprogramme (WUFI, Delphin u.a.) können all das berücksichtigen – aber nur, wenn Annahmen, Materialparameter und Randbedingungen sachgemäss gewählt werden.

Genau das regelt WTA-MB 6-2: Es definiert, welche Anforderungen ein geeignetes Simulationsverfahren erfüllen muss, und gibt dem Anwender Orientierung bei der Wahl von:

  • Berechnungsmodellen (1D, 2D, stochastisch)
  • Klimatischen Randbedingungen (Aussenklima, Innenraumklima, Niederschlag, Strahlung)
  • Hygrothermischen Materialkennwerten (Sorptionsisothermen, Wasseraufnahmekoeffizient, Dampfdiffusionswiderstand)
  • Überprüfung der Rechengenauigkeit und Sensitivitätsanalysen
  • Dokumentation und Ergebnisdarstellung

Was in der dritten Ausgabe neu ist

Die aktualisierte Fassung bildet den inzwischen fortgeschrittenen Stand der Technik ab – insbesondere in Bezug auf:

  • Aktuelle Referenzklimatdaten und Klimaszenarien (Stichwort Klimawandel: wärmere und feuchtere Sommer, trockenere Winter in manchen Lagen)
  • Erweiterte Berücksichtigung von Strahlungs- und Niederschlagseinflüssen
  • Verbesserte Anforderungen an Materialkennwerte und deren Herkunftsnachweis
  • Klarere Aussagen zu Prognosegenauigkeit und Sicherheitsabständen

Bezug zu anderen WTA-Merkblättern

WTA-MB 6-2 ist Teil eines Verbunds von Merkblättern der WTA für bauphysikalische Berechnungen:

  • MB 6-1 (Leitfaden für hygrothermische Simulationsberechnungen, 2023)
  • MB 6-2 (Simulation wärme- und feuchtetechnischer Prozesse, 2025) – das vorliegende
  • MB 6-3 (Rechnerische Prognose des Schimmelpilzwachstumsrisikos)
  • MB 6-8 (Feuchtetechnische Bemessung von Holzkonstruktionen, in Überarbeitung)

Für die Praxis im IBH-Umfeld ist insbesondere das Zusammenspiel von MB 6-2 und MB 6-3 relevant: Die Simulationsergebnisse aus MB 6-2 liefern die Eingangsparameter (Temperatur, relative Feuchte an Bauteiloberflächen) für die Schimmelpilzwachstumsrisiko-Prognose nach MB 6-3, die ihrerseits das Viitanen-Modell (VTT) integriert hat.

Quelle: WTA-Merkblatt 6-2-25/D – Simulation wärme- und feuchtetechnischer Prozesse. Dritte Ausgabe, Oktober 2025. Wissenschaftlich-Technische Arbeitsgemeinschaft für Bauwerkserhaltung und Denkmalpflege e.V., Referat 6 Bauphysik.