WTA-Merkblatt 4-6 neu – Abdichten erdberührter Bauteile auf aktuellem Stand

Überarbeitete Fassung 2025 präzisiert Abdichtungskonzepte gegen eindringende Feuchtigkeit in mineralischen Baustoffen

· mdu · Feuchte & Schimmelpilzschäden, Normen & Richtlinien

Durchfeuchtete Kellerwände, nasse Sockelbereiche, kapillar aufsteigende Feuchte im Mauerwerk – diese Schadensmuster kennt jeder, der im Gebäudebestand tätig ist. Ursachen, Ausmass und geeignete Massnahmen sind jedoch vielfältig und müssen im Einzelfall sorgfältig analysiert werden. Das WTA-Merkblatt 4-6 («Nachträgliches Abdichten erdberührter Bauteile»), das im März 2025 in aktualisierter Fassung erschienen ist, gibt Planern, Sachverständigen und Ausführenden eine strukturierte Grundlage für Diagnose, Planung und Ausführung.

Die Überarbeitung schliesst die 2. Neuauflage ab; der Gelbdruck (Entwurf) war bereits im März 2024 erschienen, der Weissdruck (endgültige Fassung) folgte im März 2025.

Geltungsbereich und Zielsetzung

Das Merkblatt beschreibt nachträgliche Abdichtungen mineralischer Baustoffe gegen Wasser und deren praxisbewährte Detaillösungen in der Bauwerksinstandsetzung. Es richtet sich an:

  • Planende und Sachverständige, die Instandsetzungskonzepte entwickeln
  • Ausführende Fachbetriebe
  • Produkthersteller
  • Denkmalpflege und Sanierung historischer Substanz

Voruntersuchungen als Grundlage jeder Massnahme

Das Merkblatt betont: Ohne qualifizierte Voruntersuchung ist keine sachgemässe Abdichtung möglich. Vor der Planung müssen zwingend ausgeschlossen sein:

  • Bauphysikalische Ursachen (z.B. Tauwasserbildung an Wärmebrücken)
  • Schäden an haustechnischen Anlagen (defekte Wasserleitungen, undichte Drainageleitungen)
  • Nutzungsbedingte Ursachen (Kondensat durch hohe innere Feuchtelasten)

Nur wenn diese Ursachen ausgeschlossen sind, führen Abdichtungsmassnahmen nachhaltig zum Ziel. Kontrolle und Dokumentation von Trocknungsverlauf nach der Massnahme sind ebenfalls Teil des geregelten Vorgehens.

Abdichtungskonzepte nach Wassereinwirkungsklasse

Das Merkblatt unterscheidet Abdichtungskonzepte nach der massgeblichen Wassereinwirkung:

  • W1-E (Bodenfeuchte, kapillar aufsteigende Feuchte): Injektionsverfahren (→ WTA-MB 4-10), Innen- oder Aussenabdichtung
  • W2-E (nicht drückendes Wasser): Flächenabdichtungen von innen oder aussen
  • W3-E (aufstauendes Sickerwasser, drückendes Wasser): Höhere Anforderungen, oft kombinierte Systeme

Für den Übergangsbereich von Innen- auf Aussenabdichtung – ein in der Praxis oft fehlerhaft ausgeführter Bereich – gibt das Merkblatt explizite Detailvorgaben: Eine vertikale Kapillarsperre im Bohrlochinjektionsverfahren und eine Überlappung von mindestens 30 cm sind vorzusehen.

Erfolgskontrolle

Neu präzisiert ist auch die Erfolgskontrolle: Der Trocknungserfolg gilt als erreicht, wenn innerhalb des objektspezifisch festgelegten Zeitrahmens die Ausgleichsfeuchte im Bauteil erreicht ist und kein Wassereintritt mehr stattfindet. Diese messbare Zieldefinition erleichtert die Abnahme und gibt Auftraggebern ein überprüfbares Erfolgskriterium.

Das Merkblatt ist in Verbindung mit WTA-MB 4-10 (Injektionsverfahren) und WTA-MB 4-11 (Feuchtemessung in mineralischen Baustoffen) zu lesen.

Quelle: WTA-Merkblatt 4-6, Ausgabe 03/2025/D – Nachträgliches Abdichten erdberührter Bauteile. Wissenschaftlich-Technische Arbeitsgemeinschaft für Bauwerkserhaltung und Denkmalpflege e.V.