UBA/AIR 2025 – neuer VOC-Leitfaden und überarbeitete TVOC-Referenzwerte
Der Ausschuss für Innenraumrichtwerte löst die bisherigen fünf TVOC-Leitwerte durch zwei neue Referenzwerte ab und veröffentlicht einen umfassenden Leitfaden zur VOC-Bewertung in der Innenraumluft
Flüchtige organische Verbindungen (VOC) in der Innenraumluft sind ein Dauerthema in der Gebäudehygiene: Sie stammen aus Baustoffen, Einrichtungsgegenständen, Reinigungsmitteln und menschlichen Aktivitäten und können in hohen Konzentrationen Schleimhäute reizen und Beschwerden auslösen. Bislang hatte der Ausschuss für Innenraumrichtwerte (AIR) fünf TVOC-Leitwerte als Stufenmodell etabliert. 2025 erfolgt eine grundlegende Vereinfachung.
Neue TVOC-Referenzwerte – von fünf Stufen zu zwei
Die bisherigen fünf TVOC-Leitwerte werden durch zwei Werte ersetzt, die sich auf die Datenbasis der Deutschen Umweltstudie zur Gesundheit (GerES V, 2014–2017) stützen – einer repräsentativen Untersuchung von Raumluftqualität in deutschen Wohngebäuden:
| Wert | Konzentration | Bedeutung |
|---|---|---|
| Referenzwert | 950 µg/m³ | 95. Perzentil der GerES-V-Datenbasis; auffällig hohe Konzentrationen, die aus Vorsorgegründen vermieden werden sollten |
| Orientierungswert | 270 µg/m³ | Median (50. Perzentil) der GerES-V-Datenbasis |
Der AIR betont, dass mit dem TVOC-Wert keine gesundheitliche Bewertung möglich ist. Er dient als Indikator für die Gesamtbelastung; für die gesundheitliche Beurteilung bleiben die Richtwerte für Einzelsubstanzen massgeblich.
Kontroverser Empfang in der Fachwelt
Die neuen TVOC-Referenzwerte werden in der Fachwelt kontrovers diskutiert. Kritiker aus dem Holzbaubereich weisen darauf hin, dass Holz und Holzwerkstoffe natürliche VOC emittieren (Terpene, Aldehyde, Carbonsäuren), die nach den neuen Werten zu Auffälligkeiten führen können, ohne dass eine gesundheitliche Wirkung belegt ist. Fachleute fordern eine stärkere Berücksichtigung von Einzelstoffen gegenüber Summenwerten sowie eine Differenzierung zwischen natürlichen Holzemissionen und technogenen Belastungen.
Für die Schweizer Praxis sind die deutschen AIR-Richtwerte nicht direkt verbindlich; sie werden aber als Referenz in Gutachten herangezogen, wenn keine schweizerischen Beurteilungswerte für bestimmte VOC vorliegen.