Von «wir können Corona» zu O(h...)mikron
Ungefähr zwei Jahre nachdem die ersten Menschen an COVID-19 erkrankten, verbreitet sich mit Omikron eine neue Variante von SARS-CoV-2 rasend schnell – und Behörden sowie Politiker zeigten sich im Dezember einmal mehr von der Situation überrascht.
Dass dieses Virus immer fitter wird, liegt in der Natur der Sache; eine Mutante wie Omikron sollte deshalb nicht überraschen. Die neue Variante ist zwar virulenter und verfügt über einen besseren Immunescape, führt jedoch zu leichteren Krankheitsverläufen. Einige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind gar der Meinung, dass Omikron die letzte pandemische Variante sein könnte. Aber selbst wenn die pandemische Lage bei uns vorbei ist, wird uns SARS-CoV-2 mit hoher Wahrscheinlichkeit über viele weitere Jahre beschäftigen.
Zertifikate statt Lufthygiene – eine verpasste Chance
Das Virus hält sich nicht an ein gesetzlich verordnetes Covid-Zertifikat. Massnahmen, welche die aerogene Übertragung respiratorischer Viren in Innenräumen deutlich reduzieren, sind zielführender als eine Beurkundung des Immunstatus von Personen.
Seit mehr als eineinhalb Jahren zeigen Aerosol-Experten – darunter auch unser Institut – solche Möglichkeiten auf. Ein Appell von 239 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus aller Welt an die WHO und Gesundheitsbehörden vom 6. Juli 2020 blieb in der Schweiz ohne nennenswerte Konsequenzen. Sogar während des grössten Pandemiegeschehens waren kritische Lüftungssituationen – wie beispielsweise der Betrieb von ungefilterten Umluftgeräten – erlaubt.
Pharmazeutische Massnahmen, insbesondere die Impfung, wurden als wirksamstes Mittel angesehen, um uns aus der Pandemie zu führen. Es ist jedoch nicht klar, ob dazu die Qualität der verfügbaren Vakzine – welche keine sterile Immunität bieten – ausreicht. Auch ist nicht vorhersehbar, wie sich die Impfquote längerfristig entwickeln wird, falls für eine ausreichende Immunität mindestens eine jährliche Auffrischimpfung erforderlich sein sollte.
Lufthygiene – auch nach der Pandemie relevant
Falls COVID zukünftig selten mehr zu schweren akuten Krankheitsverläufen führen sollte, wird diese Krankheit weiterhin zu Fehltagen an Arbeitsplätzen und in Schulen führen. Solche Fehltage wie auch LongCOVID gilt es möglichst zu verhindern. Der Innenraumluft die nötige Beachtung zu schenken lohnt sich also auch über die Pandemie hinaus.
Mit einer adäquaten Luftkonditionierung – vor allem in öffentlich zugänglichen Innenräumen, Schulräumen und Arbeitsplätzen – lässt sich die Übertragung von respiratorischen Viren und anderen pathogenen oder allergenen Keimen in der Luft deutlich reduzieren. Diese Massnahme entspricht gleichzeitig einer Vorsorge gegenüber zukünftigen aerogen übertragbaren Epidemien oder Pandemien.
Das IBH appelliert an Bundesrat, Gesundheitsbehörden und Politikerinnen: Passen Sie die COVID-Strategie so an, dass wir längerfristig – ohne Einschränkungen – mit SARS-CoV-2 leben können. Mit der richtigen Lufthygiene ist das möglich.
Quelle: Appell von 239 Wissenschaftlern an die WHO (Clinical Infectious Diseases, 2020)