Verhinderung von aerogenen COVID-19-Ansteckungen

· mdu · Medienmitteilung, Hygiene

Die grösseren Tröpfchen, die vor allem beim Husten oder Niesen ausgestossen werden, haben einen begrenzten Ausbreitungsradius. Kleinste Tröpfchen – sogenannte Aerosole – schweben dagegen über längere Zeit in der Luft und verteilen sich mit der Luftzirkulation im Raum. Um das Ansteckungsrisiko zu reduzieren, müssen für Innenräume bessere Lüftungskonzepte umgesetzt werden.

Aerosole als Pandemietreiber

Die COVID-19-Erkrankung zeigt bei ihrer Verbreitung eine deutliche Überdispersion. Verschiedene Untersuchungen zeigen, dass SARS-CoV-2 von bis zu 70% der Infizierten nicht weitergegeben wird (sehr kleiner Dispersionsfaktor k von 0.1 bis 0.2). Im Umkehrschluss sind relativ wenige Infizierte für den Hauptanteil der Weiterverbreitung verantwortlich. Eine hohe Zahl von Ansteckungen durch nur eine Person ist auf sogenannte Superspreader-Events zurückzuführen, welche beinahe ausschliesslich Innenräume mit hoher Belegungsdichte betreffen. In solchen Situationen konnten Ansteckungen über mehr als 7 Meter nachgewiesen werden – erklärbar nur durch infektiöse Aerosole, die lange schwebend in der Raumluft verbleiben.

Das IBH ist davon überzeugt, dass Superspreader-Events und damit die Infektion über Aerosole die Treiber der COVID-19-Pandemie sind. Massnahmen, welche aerogene Infektionsketten signifikant reduzieren, sind daher am effizientesten.

Massnahmen zur Reduktion aerogener Infektionen

Im Freien: Aufenthalt ohne Menschengedränge; Annäherungen unter 1.5 m nur kurzfristig.

In Innenräumen mit Lüftungsanlage: Adäquate kontrollierte Luftkonditionierung mit Aussenluft und Luftbefeuchtung bei zu trockener Luft. Wenn der erforderliche Austausch mit Frischluft nicht möglich ist: Aussenluftanteil mit ausreichend gefilterter oder desinfizierter Umluft ergänzen.

In Innenräumen ohne Lüftungsanlage, geringe Belegung: Vermehrtes Fensterlüften (min. 5–10 Min. Querlüften pro Stunde; wenn nicht möglich, 10–15 Min. Stosslüften). Keine gekippten Fenster während der Heizperiode. Luftbefeuchtung bei zu trockener Luft (min. 30%, besser 40% r.F.).

In Innenräumen ohne Lüftungsanlage, moderate Belegung (z. B. Schulzimmer): Adäquates Querlüften über Fenster (Kontrolle mit CO₂-Monitor; Konzentration nicht mehr als 400 ppm über der Aussenluft). Alternativ qualifizierte Luftreiniger (HEPA-Filter, UVA oder Ionisatoren).

Achtung: Umluftbetrieb vermeiden

Der bei einer Pandemie mit respiratorischen Viren gefährliche Umluftbetrieb von Lüftungsanlagen ohne Hochleistungsfilter, UVA-Lampen oder Ionisatoren sowie die Verwendung von Klimageräten, Heizlüftern und Luftentfeuchtungsgeräten ist in Räumen zum Aufenthalt von Personen unbedingt zu unterlassen.

Masken

Ein qualitativ ausreichender Mund-Nasen-Schutz (MNS) reduziert das Risiko einer Tröpfcheninfektion bei richtiger Handhabung deutlich. Gegen infektiöse Aerosole bietet ein nicht dicht anliegender MNS jedoch kaum signifikanten Schutz – das bestätigen eigene Versuche mit Hygienemasken am Institut. Vulnerable Personen, die geschützte Bereiche verlassen, sollten FFP2-Masken mit Ventil tragen.

Quelle: IBH – Hygienische Luftkonditionierung (Verhinderung weiträumiger Ausbreitung von Viren)