Gemeinschaftstransmission von SARS-CoV-2 in der Latinx-Bevölkerung San Franciscos

Clin-Infect-Dis-Studie zeigt: Enge Wohnverhältnisse und Berufe mit Innenraum-Exposition erhöhen das Risiko überproportional

· mdu · Hygiene, Studie

Chamie, Marquez und Kollegen untersuchten die ungleiche Verteilung von COVID-19-Fällen während des San-Francisco-Lockdowns und fanden drastische Unterschiede nach ethnischem Hintergrund.

Befunde

In einem bestimmten Quartier Mitte San Franciscos wies die Latinx-Bevölkerung eine 24-fach höhere Seroprävalenz auf als andere Bevölkerungsgruppen – obwohl alle denselben Lockdown-Regeln unterlagen.

Erklärungsansätze

  • Enge Wohnverhältnisse und Mehrgenerationen-Haushalte: Innenraumübertragung im Haushalt war der Haupttransmissionsweg.
  • Berufsexposition: Wesentlich höherer Anteil in systemrelevanten Berufen mit Innenraumkontakt (Lebensmittelverarbeitung, Reinigung, öffentlicher Verkehr).
  • Schlechtere Lüftungssituation in beengten Wohnverhältnissen.

Bedeutung für die Bauhygiene

Der Fall illustriert, dass COVID-19-Übertragung keine bloss medizinische, sondern eine soziale und bauliche Frage ist. Wohnverhältnisse, Luftwechsel in Wohnungen und Möglichkeiten zur räumlichen Trennung bei Erkrankungen sind strukturelle Schutzfaktoren – oder eben Risikofaktoren.

Quelle: Chamie G, Marquez C, Crawford E et al. (2020): Community Transmission of Severe Acute Respiratory Syndrome Coronavirus 2 Disproportionately Affects the Latinx Population During Shelter-in-Place in San Francisco. Clin Infect Dis, 73(8): e2537–e2545. DOI: 10.1093/cid/ciaa1234