Quantitative Risikoabschätzung für aerogene SARS-CoV-2-Übertragung
Neues Modell berechnet das Infektionsrisiko für verschiedene Innenraumsituationen und Lüftungsszenarien
Buonanno (Universität Cassino), Morawska (QUT Brisbane) und Stabile entwickelten auf Basis des «Well-Riley-Modells» ein aktualisiertes Risikomodell für die aerogene SARS-CoV-2-Übertragung.
Das Modell
Das Modell basiert auf dem Konzept der «infektiösen Quanten» – der Infektionsdosis, die bei 63 % einer exponierten Population eine Infektion auslöst. Aus bekannten Viruslasten und Aerosolemissionsraten wird die Quanten-Emissionsrate für verschiedene Tätigkeiten (Atmen, Sprechen, Schreien, Singen) geschätzt.
Wichtigste Befunde
Tätigkeitsabhängige Risikofaktoren:
- Singen oder lautes Sprechen: bis zu 50-fach höheres Quanten-Emissionsrisiko gegenüber normalem Atmen
- Körperliche Anstrengung: erhöhte Atemrate → mehr Aerosole
Situationsvergleich: Das Infektionsrisiko im schlecht gelüfteten Büro nach 1 Stunde liegt um Faktoren höher als in einem gut belüfteten Raum mit gleichem Luftwechsel. Eine Halbierung des Luftwechsels verdoppelt das Risiko näherungsweise.
Maskeneinfluss: Eine filtrierende Maske reduziert das Risiko erheblich – aber nur, wenn sie sowohl Emitter als auch Empfänger tragen.
Praktische Anwendung
Das Modell erlaubt erstmals eine szenariospezifische Risikoabschätzung für verschiedene Räume und Nutzungen – ein wichtiges Werkzeug für Gebäudebetreiber, Planer und Behörden bei der Ausgestaltung von Hygienekonzepten.