Turbulente Gaswolken beim Husten und Niesen
JAMA-Studie zeigt: Atemluft bildet turbulente Mehrphasenströmung – mit Konsequenzen für Abstandsregeln
Lydia Bourouiba (MIT) arbeitet seit Jahren an der Physik von Atemluft-Emissionen. Ihr JAMA-Kommentar vom März 2020 hatte erheblichen Einfluss auf die wissenschaftliche Debatte über Abstandsregeln.
Die Gaswolkentheorie
Herkömmliche Modelle betrachteten Tröpfchen als unabhängige Projektile. Bourouibas Forschung zeigt: Beim Husten oder Niesen entsteht eine turbulente Mehrphasen-Gaswolke, in der Tröpfchen und Aerosole eingebettet sind. Diese Wolke kann Tröpfchen über deutlich grössere Distanzen tragen als die ballistischen Modelle voraussagen:
- Mittelgrosse Tröpfchen: bis zu 6 Meter statt der angenommenen 1–2 Meter
- Kleinstpartikel (Aerosole): können innerhalb der Wolke über die gesamte Raumlänge verfrachtet werden
Relevanz für Abstandsregeln und Lüftung
Die Erkenntnisse legen nahe, dass der Schutz durch einfaches Abstandhalten von 1,5 bis 2 Metern in Innenräumen überschätzt wird – insbesondere beim Husten oder Niesen ohne Bedeckung. Für die Innenraumhygiene unterstreicht die Studie die Bedeutung einer aktiven Lüftung, die Aerosolwolken rasch verdünnt und abführt.